Musikalische Lesung mit Friederike Wild (Klavier) und Sascha Berst-Frediani (Literarischer Text)

Text und Fotografien: Roswitha Strüber

Im Anschluss an die Gedenkfeier zum 77. Jahrestag der nationalsozialistischen Pogrome von 1938, die zuvor auf dem Platz vor dem Synagogeneingang von der Stadt Freiburg gemeinsam mit  verschiedenen anderen Partnern angesetzt war, hatte der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Freiburg am Abend zu einer musikalischen Lesung in den Gertrud-Luckner-Saal eingeladen. Zu Gast waren der Freiburger Schriftsteller und Rechtsanwalt Sascha Berst-Frediani und die Pianistin Friederike Wild. Beide Künstler konnten bereits im Juni diesen Jahres mit ihrem ersten Auftritt im Gemeindezentrum die damaligen Besucher restlos begeistern.

Dem Anlass entsprechend hatte Berst zwei Textpassagen aus seinem Justizthriller „Fehlurteil“ ausgewählt, die die ganze Tragik der in der Zeit der nationalsozialistischen Terrorherrschaft  entrechteten jüdischen Bürger beschreiben. Vereinbarungen, die damals unter enormen psychischen Belastungen in einer extremen Ausnahmesituation geschlossenen wurden, erfahren in der Nachkriegszeit eine absurde und unverständliche rechtliche Bewertung. In der fiktiven Figur des Jakob Stein führt der Autor seinen Zuhörerinnen und Zuhörern vor Augen, dass die Leiden der den Holocaust überlebenden jüdischen Menschen und ihrer Kinder auch nach Beendigung des Krieges nicht selbstverständlich und automatisch überwunden sind. Bei den Anwesenden hinterließen die vorgetragenen Auszüge aus den Kapiteln IV und V des  Romans „Fehlurteil“ tiefe Nachdenklichkeit.

Sensibel eingebettet erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer die Lesetexte durch die Klavierbeiträge von Friederike Wild. Die bereits mehrfach ausgezeichnete junge Pianistin hatte für ihr Konzert Werke von Alexander von Zemlinsky, Ignaz Friedmann, Gabriel Fauré und dem finnischen Komponisten E. Rautavaara ausgewählt, die sie mit großer Virtuosität interpretierte. Zum Abschluss des Abends und auch als Dank für den herzlichen Applaus erfreute Friederike Wild die Besucherinnen und Besucher zusätzlich mit einer kleinen Eigenkomposition, die sie „Herbst“ betitelte.