Gedenken an die Pogrome von 1938 vor der Freiburger Synagoge

Text und Fotografien: Roswitha Strüber

Rund 400 Teilnehmer fanden sich am späten Montagnachmittag, dem 9. November, vor der Freiburger Synagoge in der Engelstrasse zum Gedenken an die Pogromnacht von 1938 ein. Damals zerschlugen und brandschatzten die Nationalsozialisten unzählige jüdische Einrichtungen. Allein mehr als 1400 Synagogen fielen dem verbrecherischen Tun zum Opfer, darunter auch das 1869  von Georg Jakob Schneider erbaute Freiburger Gotteshaus am Werthmannplatz.

Eingeladen zu der Kundgebung, die in diesem Jahr wegen der dortigen Baumaßnahmen nicht am angestammten Platz neben der Universität stattfinden konnte, hatte die Stadt Freiburg gemeinsam mit einem breiten Bündnis „Gegen Faschismus und Vergessen“ von Organisationen und Einrichtungen, dem sich auch die jüdische Gemeinde Freiburg verbunden fühlt. Vor dem Eingang der Synagoge, zu Füssen des Davidssterns, hat auch die bronzene Gedenktafel vom „Platz der Alten Synagoge“ vorübergehend ihren neuen Standort gefunden.

Nach der Begrüßung durch Gefängnisseelsorger Michael Philippi  erinnerte Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon an das schreckliche und unfassbare Geschehen vor 77 Jahren in der Stadt wie auch überall in Nazi-Deutschland und mahnte  unmissverständlich und nachdrücklich, jeglichen rassistischen und antisemitischen Gedanken oder auch Aktionen mit Entschiedenheit entgegen zu treten. Faschistisches Gedankengut dürfe in Freiburg keinen Platz bekommen, so der Oberbürgermeister, und weitete diese Forderung auch aus auf die gegenwärtigen Diskussionen und Demonstrationen im Zusammenhang mit dem akuten Flüchtlingszustrom in Europa und besonders in Deutschland.

Auch Moshe Flomenmann, Landesrabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft (IRG) Baden, lenkte den Blick auf die für jüdische Menschen so leidvolle Zeit vor 77 Jahren und erinnerte zudem an die wenige Jahre später folgende Deportation Tausender von badischen und pfälzischen jüdischen Einwohnern in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich. Gleichzeitig verwies Flomenmann auf den zunehmenden Antisemitismus in unserer gegenwärtigen Gesellschaft, der sich nicht zuletzt grundsätzlich gegen den Staat Israel richtet.

In einem liturgischen Beitrag zum Totengedenken trug Kantor Raffaele Polani das Kaddisch und El male rachami vor, bevor die evangelische Pfarrerin Carola Hübner in ihrer sehr berührenden Rede u.a. auf die verhängnisvollen antisemitischen Gedanken Martin Luthers einging, die zweifellos die Vorbehalte gegen jüdische Mitbürger befördert haben und deshalb unabdingbar einer kritischen Betrachtung in der heutigen Zeit unterzogen werden müssen. Mit einem Solopart auf der Klarinette von Mike Schweizer, der zuvor schon die Feierstunde eröffnet hatte, klang die Gedenkstunde aus.