Grußwort des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland

Der 5. November 1987 ist ein symbolträchtiges Datum in der Geschichte der Israelitischen Gemeinde Freiburg. An diesem Tag wurde die neue Synagoge eingeweiht. Ganz ungetrübt konnte die Freude nicht sein, konnte und wollte der Neubau nicht über die Tragödie der Vergangenheit hinwegtäuschen.  49 Jahre zuvor hatten die Nazis die Synagoge in der Werderstraße zerstört und abgerissen. In den darauffolgenden Jahren einer immer unmenschlicher wütenden Nazi-Barbarei wurde auch die jüdische Gemeinde der Stadt vernichtet. Für diesen Verlust konnte es, weder in Freiburg, noch anderswo in Deutschland, keinen wirklichen Ausgleich geben. 

Dennoch war die Einweihung der neuen Synagoge im Jahr 1987 ein wichtiger Schritt. Noch wichtiger, als man damals absehen, wichtiger als man hoffen konnte. Nur zwei Jahre nach der Einweihung des Gotteshauses und auf den Tag, ja fast auf die Stunde genau 51 Jahre nach der Reichspogromnacht fiel die Berliner Mauer. Das war der Beginn einer Entwicklung, in deren Zuge eine Massenzuwanderung von Juden aus der Sowjetunion beziehungsweise deren Nachfolgestaaten das jüdische Leben in Deutschland auf eine neue Grundlage stellte, die jüdische Gemeinschaft bereicherte und ihr  neue Zukunftshoffnung gab.

Auch in Freiburg stellen Zuwanderer aus der Ex-UdSSR das Gros der Gemeindemitglieder – einschließlich der Gemeindevorsitzenden, die sich gemeinsam mit ihren Kollegen und den zahlreichen ehrenamtlich Tätigen, große Verdienste um jüdisches Leben in der Stadt wie über deren Grenzen hinaus erworben hat. Es war eine bemerkenswerte Fügung des Schicksals, dass die Zuwanderer in dieser Stadt ein neues Gotteshaus vorfanden. Daran muss ich an diesem 25. Jubiläum der Synagogeneinweihung denken.

Gewiss, auch wenn das Judentum in Deutschland heute eine feste Zukunft hat, so ist dies kein Ausgleich  - keine „Wiedergutmachung“ – für die Vernichtung des deutschen Judentums, wie es vor der Machtergreifung durch die Nazis, in diesem Land reüssiert, der jüdischen Welt als Ganzes einen einmaligen Geistesreichtum vorgelebt hatte. Dennoch: So wie die Einweihung der Synagoge vor 25 Jahren trotz allem Schmerz über die unwiederbringlichen Verluste, Anlass zur Freude war, so ist auch der Jubiläumstag ein freudiger Tag.

Die Israelitische Gemeinde steuert unter der engagierten Leitung der Vorsitzenden, Irina Katz, mit Begeisterung und Zielstrebigkeit in die Zukunft.  Und so wie wir Juden von jeher die Geschenke des Lebens mit Freude anzunehmen wissen, ohne schlechtere Zeiten zu vergessen, so dürfen wir uns auch heute, hier, in Freiburg, freuen. Im Namen des Zentralrats der Juden in Deutschland und ganz persönlich darf ich Ihnen von ganzem Herzen gratulieren und Ihnen auch künftig Erfolg wünschen.

 

Stephan J. Kramer

Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland K.d.ö.R.