Chanukka 5778 (2017)

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Mit Tanz, Musik und einem koscheren Essen feierte die Israelitische Gemeinde Freiburg am Sonntag, den 17. Dezember das Entzünden der sechsten Kerze an der Chanukkia. Weit mehr als 200 Mitglieder, Freunde und Gäste der Gemeinde füllten den großen Gertrud- Luckner Saal im Gemeindezentrum an der Nussmannstraße bis auf den letzten Platz. Die Vorstandsvorsitzende Irina Katz hatte für den Abend das Klezmer-Ensemble Kol Cole’ aus Köln eingeladen, das mit seinen Liedern und Musikstücken viel Anklang fand. Dabei fiel es der Sängerin Bella Liebermann und ihren Bandmitgliedern nicht schwer, mit ihrem Charme das Publikum nach wenigen Takten zum Mittanzen zu animieren. Zwischenzeitlich konnten  Kirill Berezovski und seine amerikanische Partnerin Amelia Eisen mit zwei Tanzeinlagen von der Ausdrucksstärke des zeitgenössischen Balletttanzes überzeugen. Im Zentrum des Abends stand aber das Entzünden der sechs Chanukka-Kerzen. Kantor Moshe Hayoun und Irina Katz baten alle Kinder zum Chanukkaleuchter, um gemeinsam mit dem Ehrengast Stadtrat Simon Waldenspuhl die Lichter an der Chanukkia zu entzünden.

Zum Ausklang des Chanukka-Abends versammelten sich alle Mitfeiernden draußen auf dem Vorplatz der Synagoge. Dort wurden nochmals öffentlich die sechs Kerzen des Chanukkaleuchters mit Kantor Moshe Hayoun entzündet. Zuvor hatte Stadtrat Simon Waldenspuhl in seinem Grußwort auf den historischen Hintergrund des Chanukkafestes, der Einweihung des zweiten Jerusalemer Tempels im Jahre 164  vor unserer Zeit, hingewiesen. Wörtlich sagte Waldenspuhl: „Wir feiern heute die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem, der Rückkehr jüdisches Lebens an einen Ort, wo es durch Waffengewalt einst vertrieben wurde. Ein Fest der Hoffnung und der Zuversicht mit einer Botschaft, die es sich lohnt zu verkünden: Jüdisches Leben ist und bleibt fester Bestandteil dieser Gesellschaft, dieser Welt und das wird sich niemals ändern.“ Allerdings monierte Simon Waldenspuhl in diesem Zusammenhang auch die Erinnerungsarbeit der Verwaltung der Stadt Freiburg im Umgang mit den Fundamentresten der Alten Synagoge. „In Freiburg“, so der Stadtrat, „hatten wir im Zuge der Umgestaltung des Platzes der alten Synagoge eine historische Chance, ein Stück Geschichte in Form der letzten Steinreste, der von der Freiburger Bevölkerung und der SA zerstören Synagoge, am Ort des Geschehens zu erhalten. Leider ist dies nicht geschehen, auch hier blitzt kurz wieder die alte, deutsche, unsensible Geisteshaltung aus der Nachkriegszeit auf. Die Stadtverwaltung blieb stur und die abgetragenen Steine der alten Synagoge liegen jetzt auf einem Bauhof der Stadt. Mit der Errichtung eines Dokumentationszentrum zur NS Geschichte, an einem prominenten Platz in der Freiburger Innenstadt, hat die Stadt nun nochmal die Chance, den Steinen einen würdigen Ort für Gedenken und Erinnern zu schaffen. Ich hoffe, dass die Stadt diese neue Chance nicht auch verspielt.“ Zum Abschluss der Feier wurden allen Anwesenden koscherer Wein und Sufganiyot (Krapfen) angeboten.

Bereits drei Tage zuvor, am Donnerstagnachmittag, den 14. Dezember, hatte die Israelitische Gemeinde erstmals auf die weltweite Initiative der Claims Conference zum Entzünden der dritten Chanukkakerze im Gedenken an die Überlebenden des Holocaust in die Synagoge eingeladen.

Wie die Vorsitzende Irina Katz in ihrer Begrüßung betonte, wollte die Gemeinde mit der Feier die Freiburger Öffentlichkeit auf die hier lebenden Opfer der Shoa aufmerksam machen und an das ihnen angetane Leid und Unrecht erinnern. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren zu dem Gedenken in die Synagoge gekommen und begleiteten gemeinsam mit den anwesenden Holocaust-Überlebenden und ihren Freunden und Familien das Entzünden der dritten Kerze. Prominenter Redner der Gedenkfeier war Stadtrat Simon Waldenspuhl. Er bedankte sich ausdrücklich bei der Vorstandsvorsitzenden, dass er als gewählter Vertreter des Gemeinderates eingeladen und um ein Begrüßungswort gebeten wurde. U. a. sagte Waldenspuhl: “Wir feiern heute den Tag als Erinnerungstag auf Initiative der Claims Conference. Dass Juden und Jüdinnen, die durch die von Nazideutschland verursachte Hölle auf Erden gehen mussten, eine Form der finanziellen Entschädigung zusteht, erscheint aus heutiger Sicht selbstverständlich. Doch leider ist dieser Teil der deutschen Geschichte kein besonders schöner. Denn zur Zeit der Gründung der Claims Conference, 1951, mussten Überlebenden regelrecht um jede materielle Entschädigung, durch die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland, politisch und vor Gericht kämpfen. Lange bürokratische Prozesse, die strikt ausgelegte Nachweispflicht der erlittenen Qualen, zu welcher viele Überlenden verständlicherweise emotional nicht in der Lage waren und am Ende die bittere Erkenntnis, dass Angehörige der SS, welche im Dienst für Nazideutschland sich verletzten, mehr Geld vom deutschen Staate erhielten, wie Überlebende der Konzentrationslager, das ist beschämend und tut heute noch weh.“

Im Anschluss an die Gedenkfeier im Betraum lud Irina Katz alle zum gemeinsamen Essen in den Gemeindesaal ein und überreichte dort den anwesenden Überlebenden der Shoa kleine Präsente und eine rote Rose.

Zurück