Angesichts des Unfassbaren. Würdig Gedenken – Mahnend Erinnern

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Als Beispiel gelungener Erinnerungsarbeit bezeichnete Irina Katz in ihren einleitenden Worten zur Veranstaltung „Angesichts des Unfassbaren. Würdig Gedenken – Mahnend Erinnern“ die gemeinsame Initiative von Waldkircher Bürgern und ihrer Stadtverwaltung zur Errichtung eines Mahnmals für die Ermordung von mehr als 130000 Juden in Litauen. Auf Einladung der Vorstandsvorsitzenden der Israelitischen Gemeinde Freiburg waren am Montag, d. 5. November Mitglieder der „Ideenwerkstatt Waldkirch in der NS-Zeit“ in den Gemeinde eigenen Gertrud-Luckner-Saal gekommen, um über die Historie des Mahnmals zu berichten.

Roland Burkhart, Mitbegründer der Ideenwerkstatt, erinnerte in seinem kurzen Referat an die Anfangsüberlegungen, die zur Einrichtung des Gedenkortes geführt haben, und in diesem Zusammenhang zwangsläufig an den ehemaligen einheimischen Orgelbauer Karl Jäger, der 1923 die NSDAP-Ortsgruppe Waldkirch gründete und damit eine steile Karriere innerhalb des Nazi-Regimes anstieß. 18 Jahre später wurde Jäger zum Kommandeur der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes für Litauen bestellt. In dieser Funktion oblag ihm die Aufgabe, Litauen Juden frei zu machen. Ende 1941 konnte er seiner obersten Dienststelle in Berlin Vollzug  und 138272 ermordete Menschen melden. Dieses unfassbare Verbrechen, so Burkhart, sollte nicht in Vergessenheit geraten. Das Mahnmal in Form von fünf Basaltstelen gibt anklagendes Zeugnis davon.

Die Schriftstellerin und Lyrikerin Eva-Maria Berg, die ebenfalls in Waldkirch lebt und sich in der „Ideenwerkstatt Waldkirch in der NS-Zeit“ engagiert, unterstrich in einem kurzen Statement die Unverzichtbarkeit von Gedenkstätten und Mahnmalen, die in das Alltagsleben hineinragen. Zugleich bedauerte sie die unwürdigen Vorkommnisse, die sich  an dem Gedenkbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg zeigen. Anschließend las Eva-Maria Berg gemeinsam mit ihrem Straßburger Co-Autor Alain Fabre-Catalan aus dem gemeinsamen Buch „Le voyage immobile – Die regungslose Reise“ ausgewählte Texte in deutscher und französischer Sprache. Mike Schweizer verdichtete auf dem Saxophon die vorgetragenen Texte durch eigene sensible und einfühlsame Interpretationen.

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