Hoher Besuch beim diesjährigen Chanukkafest

Stadtdekan und Oberbürgermeister entzünden Chanukka-Kerzen

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Die Israelitische Gemeinde Freiburg freute sich sehr, mit Dompfarrer Dr. Christian Würtz und Oberbürgermeister Martin Horn zwei besondere Freiburger Persönlichkeiten zum Chanukkafest in diesem Jahr begrüßen zu können. Der Einladung der Vorstandsvorsitzenden Irina Katz zum Anzünden der Chanukka-Lichter waren Dompfarrer Dr. Würtz am Sonntag, den 2. Dezember, an Erew Chanukka, und Oberbürgermeister Martin Horn acht Tage später, am Sonntag, den 9. Dezember gefolgt.

Dr. Würtz, der wenige Monate zuvor im September zum Dompfarrer und katholischen Stadtdekan von Freiburg berufen war,  unterstrich mit seinem Besuch in der Synagoge seine Verbundenheit mit den jüdischen Menschen in der Stadt und die gute Nachbarschaft mit der Israelitischen Gemeinde. In seinem Grußwort bedankte sich der neue Dompfarrer für die Einladung und verwies u.a. auf die vielen Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Religionen, die sich nicht zuletzt in den fast gleichzeitigen Lichterfesten von Advent/Weihnachten und Chanukka sinnfällig zeigen. Bevor es nach dem Anzünden der ersten Kerze mit einem Konzert im Gertrud-Luckner-Saal mit Leonid Vainshtein, Gitarre, und Vladislav Belinkskiy, Gesang, weiterging, wurden alle Anwesenden mit den traditionellen Chanukka-Krapfen, den Sufganiot, verwöhnt.

Mit einem fröhlichen Fest am darauffolgenden Sonntag endete das achttägige Lichterfest. Am Nachmittag führte die Laienspielgruppe der Gemeinde ein kleines Theaterstück auf, das in der modernen Fassung einer alten russischen Fabel von einer vergnüglichen Feier erzählt, die ein Marienkäferfräulein für seine Freunde veranstaltet.

Später durften im Synagogenraum die anwesenden Kinder und Jugendlichen zusammen mit Kantor Hayoun nach den Segenssprüchen am Lesepult die bunten Kerzen an zwei kleinen Chanukkiot entzünden.

Das gemeinsam gesungene Chanukka-Lied „Maoz Tzur“ beendete die kurze Zeremonie, die Oberbürgermeister Martin Horn aufmerksam verfolgt hatte. In seinem anschließenden Grußwort verwies das Stadtoberhaupt auf die Selbstverständlichkeit, dass jüdische Religion und Kultur mit den eigenen Traditionen im öffentlichen Leben Freiburgs wieder festen Fuß gefasst hat. Gleichzeitig forderte Horn jedoch auch dazu auf, energisch allen Anfeindungen der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger entgegenzutreten und Antisemitismus jeglicher Art eine deutliche und unmissverständliche Absage zu erteilen.

Vor dem Betraum, an den großen Fenstern des Treppenhauses, entzündete der Oberbürgermeister dann an der dort stehenden Chanukkia die achte Kerze. Ihr Licht sollte durch die Fenster der Synagoge hinaus in die Welt leuchten. Zur Erinnerung an die im November 1938 in der Pogromnacht zerstörte alte Synagoge übergab Martin Horn der Israelitischen Gemeinde ein aus buntem Sandstein gefertigtes Modell des zerstörten Gotteshauses. Der Freiburger Steinmetz und Bildhauer Michael Hellstern hatte die Nachbildung ausschließlich nach alten Fotografien gefertigt ohne auf Architektenpläne, die im Krieg den Flammen zum Opfer fielen, zurückgreifen zu können.

Höhepunkt und zugleich Abschluss der feierlichen Chanukka-Tage war das folgende Konzert mit den Kölner Klezmer Musikern „The Klezmer Tunes“. Dimitri Schenker (Klarinette), Igor Mazritsky (Violine) und Vadim Baev (Akkordeon) begeisterten das zahlreich erschienene Publikum ein ums andere Mal mit ihren außergewöhnlichen Interpretationen traditioneller jüdischer Lieder.

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