„Wir wissen nicht, wohin wir fahren“ - Briefe und Gedanken deportierter Juden

Text und Fotos: Roswitha Strüber

In gedanklicher Fortführung der Trauerstunde am Mahnmal „Vergessener Mantel“ auf der Wiwili-Brücke am 23.Oktober für die 1940 nach Gurs deportierten Juden und zur weiteren Vertiefung der dort vorgetragenen Gedenkworte hatte die Israelitische Gemeinde eine Woche später, am Sonntag, den 30. Oktober 2016, abends zu einer Lesung in ihr Gemeindezentrum eingeladen. Übertitelt war die Veranstaltung mit dem bedrückenden Zitat aus dem Brief eines nach Gurs verschleppten Opfers  „Wir wissen nicht, wohin wir fahren“. Jüdische und christliche Schüler aus Freiburg und dem Umland hatten aus den überlieferten schriftlichen Nachlässen und Briefen Betroffener an ihre Angehörigen kurze Passagen zum Vortragen ausgewählt. Es wurde eine unmittelbare Begegnung der Zuhörerinnen und Zuhörer mit den Menschen, die vor 76 Jahren von den Nazis gezwungen wurden, einen unfassbaren Leidensweg in Tod und Verderben zu gehen. Angst, Hoffnungslosigkeit und schmerzvolle Gedanken des Abschieds sprechen aus diesen erschütternden Zeitdokumenten. Die Absender berichten von den unmenschlichen Bedingungen in den Lagerbaracken, von Hunger und Krankheit, von den vielen Toten – willkürlich Erschossene und an Entkräftung Gestorbene - die täglich zu beklagen waren. 

Auf einem Büchertisch hatten die Vorstandsvorsitzende Irina Katz und Harald Westphal, der als Musiklehrer für die Gemeinde tätig ist und die Gedenkstunde verantwortlich organisiert hatte, eine Auswahl der Veröffentlichungen zum Einsehen zusammengestellt, die in den letzten Jahren erschienen sind und sich mit dem Schicksal der nach Gurs deportierten Juden beschäftigen. Kurze, von den Schülerinnen und Schülern gespielte Musikstücke zwischen den einzelnen Textlesungen, so zum Beispiel eine Passage aus „Hebräische Melodie“ des jüdisch-litauischen Komponisten Joseph Achron, interpretiert von Dana Bostedt (Violine) und Tuvia Navon (Piano), gaben den Anwesenden Raum, die eigenen Emotionen wahrzunehmen und sich persönlich mit dem Gehörten auseinanderzusetzen. 

Ihnen und den anderen Mitwirkenden Jaron Dengler, Bernardo Figueiredo, Nikita Karavaev, David Kototine, Valentin Matt, Daniel Navon und Harald Westphal dankte Irina Katz ganz herzlich und verabschiedete sie mit kleinen Blumenpräsenten.